Mittwoch, 14. November 2018
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Geschichte der Feuerwehr Neckartailfingen

Jahrtausende hat es gedauert, bis es dem Menschen gelang, mit Hilfe verschiedener Techniken selbst Feuer zu machen. Diese Fertigkeit gab ihm die Herrschaft über eine gewaltige Naturkraft und bedeutete einen wesentlichen Schritt in der Loslösung vom Tierreich. Stets jedoch bedeutete das Feuer auch eine Gefährdung für den Menschen: In der Frühzeit der Menschheitsgeschichte z.B. durch Waldbrände, später in Siedlungen und Städten durch Feuersbrünste und wenn Feinde das Feuer als Waffe benutzten (Brandfackeln, Brandpfeile). Die  stetige Zunahme der Bevölkerung in den mittelalterlichen Städten zwang zu einer sehr dichten Bebauung. Daher stieg die Feuersgefahr drastisch an. Es gab wohl keine deutsche Stadt, die zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert nicht von verheerenden Feuerbrünsten heimgesucht wurde. Damals war die Löschtechnik noch überaus einfach: wesentlich waren Löscheimer aus Holz oder Leder, möglichst lange Leitern und Geräte zum Einreißen von Wänden und Mauern.

Das Königreich Württemberg erließ 1808 eine Generalverordnung für das Feuerlöschwesen. Bis diese auch in Neckartailfingen umgesetzt wurde, dauerte es immerhin bis 1838. Schultheiß Fischer und der Gemeindepfleger Friedrich Mühleisen entwarfen, für die Gemeine Neckartailfingen eine "Local-Feuer-Lösch-Ordnung" nach Maßgabe und Anleitung der Generalverordnung vom 20. Mai 1808. Jeder Bürger musste einen Feuereimer im Haus haben, auf dem in Ölfarbe der Name des Eigentümers stehen sollte und der nicht zu Nebenzwecken verwendet werden sollte. Die Bürgerschaft Neckartailfingens wurde in vier Rotten eingeteilt, welche sich bei auswärtigen Feuersbrünsten abwechselten. An Feuerlöschgeräten standen bereit:

  • Eine Feuerspritze
  • Zwei Feuerhaken
  • Zwei Feuerleitern
  • 68 Feuereimer als Vorrat

1845 wurde nach einem schweren Brand in Grötzingen zu der vorhandenen Fahrfeuerspritze eine Tragfeuerspritze mit einem Schlauch und eine weitere Handfeuerspritze angeschafft. War ein größeres Feuer ausgebrochen, so läuteten die Glocken vom Kirchturm Sturm, das sogenannte Feuerlärmen. Feuerreiter wurden in die Amtsstadt abgesandt; auch alle "Weibspersonen, welche nach ihren Verhältnissen dazu tauglich, mussten mit "Wassergölten" auf dem Brandplatz erscheinen. Im Winter sollten Frauen in der Nachbarschaft heißes Wasser bereithalten, um das Einfrieren der Spritzen verhindern zu können.

Gründung der "Feuer-Löschmannschaft Neckartailfingen"

Offenbar reichte die lokale Feuerlöschordnung nicht aus, um im Einsatz bei Feuersbrünsten wirksam und erfolgreich zu handeln. Am 25. November 1850 beschlossen der Gemeinderat und der Bürgerausschuss die Reorganisation der Feuerlöschanstalten. Auf diesen Gemeinderatsbeschluss nimmt ein wichtiges Dokument der Gründungsgeschichte der Freiwilligen Feuerwehr Neckartailfingen direkt Bezug: es ist ein undatierter "Feurrotten-Zettel", der möglicherweise erst 1852 verfasst wurde. Aus diesem Jahr stammt auch die älteste Fahne der "Feuer-Löschmannschaft Neckartailfingen", welche im "Feuerrotten-Zettel" als "Feuerfahne" bezeichnet wird. Das erwähnte Gründungsdokument sah für die neu organisierte Feuer-Löschmannschaft folgendes Personal vor:

  • 15 Buttenträger
  • 12 Mann zur Bedienung der Spritze und 6 Ersatzmänner

Die Feuer-Löschmannschaft Neckartailfingen rückte mit ihrer Feuerspritze zu folgenden Einsätzen aus:

  • 28. Februar 1853 Nürtingen
  • 21. März 1853 Metzingen
  • 24. Januar 1854 Nürtingen
  • 27. Januar 1854 Nürtingen
  • 23. Februar 1854 Aich

Die Brände waren jeweils abends oder in der Nacht ausgebrochen, die Einsätze dauerten bis zu neun Stunden. Aus den Gemeinderatsprotokollen der folgenden zwei Jahrzehnte erfahren wir wenig über Aktivitäten der Neckartailfinger Löschmannschaft. Allerdings stellt das Gemeinderatsprotokoll vom 13. November 1871 fest, dass eine größere Anzahl hiesiger jüngerer Bürger die Bereitwilligkeit zur Errichtung einer freiwilligen Feuerwehr ausgesprochen hat. Die Gemeinde sei bereit, die Kosten für Montur und Ausrüstung zu übernehmen. Die Struktur der neu organisierten Feuerwehr sah folgendermaßen aus:

Die Mannschaft bestand

  1. aus dem Steigerkorps, "in das lauter junge ehrbare Männer, denen man das Leben und Eigentum ihrer Mitbürger anvertrauen darf, freiwillig eingetreten sind". Mindestalter: 20 Jahre
  2. aus der Flücht- und Wachmannschaft
  3. aus der Spritzen- und Buttenmannschaft mit einer kleineren Abteilung Schöpfer

Die unter 2. und 3. eingeteilten Männer wurden den zum Feuerlöschen gesetzlich verpflichteten volljährigen Einwohnern entnommen. es handelt sich also hiermit um eine Verbindung zwischen Freiwilligkeit (Verpflichtung auf vier Jahre) und allgemeiner Feuerwehrpflicht (bis zum 60. Lebensjahr)

Das Steigerkorps (I. Kompanie) bestand aus 34 Uniformierten, die II. und III. Kompanie war nicht uniformiert und bestand aus 86 Mann in vier Zügen, (Flüchter, Wächter, Spritzenmannschaft, Buttenträger, Schöpfer). Hinzu kam noch eine Mannschaft Läuter mit sechs Mann und nicht zuletzt der Offiziersstab mit fünf Mann, einschließlich des Hornisten. Jedes Mitglied der Steigerabteilung erhielt auf Kosten der gemeinde jeweils einen Helm, einen Gürtel, ein Beil und Seile.

Nachdem im Jahre 1879 bei einem Brand viele Feuerwehrmitglieder "sich nicht bewusst waren, zu welcher Abteilung sie gehören", wurde eine Neuorganisation vorgenommen. Die Freiwillige Feuerwehr gliederte sich nun in zwei Züge ( 1. Zug Retter, 2. Zug Einreißer und Schlauchführer, zusammen 35 Mann). Dazu kamen aus den Reihen der Feuerwehrpflichtigen die Spritzenmannschaft mit 44 Mann, Buttenmannschaft und Schöpfer mit 33 Mann, Flüchter, Retter und Wächter mit 29 Mann. Mit dem Stab ergab sich die stattliche Zahl von 147 Mann.

Die neue Landesfeuerlöschordnung vom 7. Juni 1885 begründete endgültig eine allgemeine Feuerwehrpflicht in Württemberg (von 18 bis 50 Jahren). In Neckartailfingen wurde im April 1888 eine Lokalfeuerlöschordnung erlassen, die eine Pflichtfeuerwehr vorsah, allerdings mit einer freiwilligen Steigerkompanie. Das Arsenal der Löschgeräte hat sich gewaltig erweitert:

  • eine vierrädrige Saugfeuerspritze
  • eine zweistrahlige feuerspritze
  • 100 Meter Druckschläuche
  • eine tragbare Spritze, eine krückenspritze
  • zwei Stützleitern, je 10 Meter lang
  • viele weitere Leitern, Feuerhaken, 25 Bütten und etliche weitere Geräte

 

1926 wurde die Feuerwehr wiederum neu organisiert: die vom Gemeinderat beschlossene neue Ortsfeuerlöschordnung vom November 1926 sah eine "militärisch organisierte" Freiwillige Feuerwehr vor. Das Mindestalter betrug 21 Jahre, die Altersobergrenze 45 Jahre. Wer keinen Dienst in der Freiwilligen Feuerwehr leistete, musste eine Feuerwehrabgabe bezahlen. Gebildet wurden vier Züge:

  • 24 Mann Steiger und Retter (einschließlich Zugführer und Stellvertreter und zwei Elektriker)
  • 24 Mann Hydrantenmannschaft und Schlauchleger
  • 18 Mann Spritzenmannschaft
  • 13 Mann Flüchtungs- Butten-, Wach- und Sanitätsmannschaft
  • Zusammen mindestens 85 Mann
Gruppenbild beim 100 jährigen Jubiläum im September 1952
Gruppenbild beim 100 jährigen Jubiläum im September 1952

 

Auf dem Kreisfeuerwehrtag am 6. September 1936 zeichnete sich wieder eine Neuordnung der Feuerwehr ab. In Zukunft gab es nun einen 10-köpfigen Führerrat. Neben 32 einfachen Feuerwehrleuten gab es noch zwei Elektriker und zwei Hornisten. Zusammen waren es jetzt nur noch 46 Mann. Ausgeschieden waren vor allem ältere Kameraden. Am 12. November 1936 erfolgte ein Eintrag im Vereinsregister "Freiwillige Feuerwehr Neckartailfingen". Im Jahr 1938 stellte der Deutsche Feuerwehrverband auf Weisung des Reichsinnenministeriums seine Tätigkeit ein. Das Reichsfeuerwehrgesetz vom 23. November 1938 bestimmte, dass die Freiwilligen Feuerwehren als "Hilfspolizeitruppen" einzuordnen sind. Auch wenn in den Protokollbüchern nichts mehr verzeichnet ist, hatte die Feuerwehr nach wie vor Bestand. Zeitzeugen berichten von Übungen, welche ja im Krieg notwendiger waren als je zuvor wegen der Gefährdung durch feindliche Flugzeuge. Leider sind im 2. Weltkrieg einige Feuerwehrkameraden gefallen. Mehrere waren nach 1945 wieder bereit, sich in den Dienst der Feuerwehr zu stellen und beim Neuaufbau einer Freiwilligen Feuerwehr zu helfen.

Der Anfang nach den Kriegsjahren begann eigentlich erst wieder so richtig nachdem man Freiwillige für den Feuerwehrdienst gefunden hatte. So fand die erste ordentliche Hauptversammlung nach dem krieg laut Protokollbuch der Feuerwehr im Jahr 1952 statt. Ein großes Ereignis war wohl das 100-jährige Feuerwehrjubiläum der Freiwilligen Feuerwehr Neckartailfingen, das am 6. und 7. September 1952 gefeiert wurde. Mit relativ kargen Mitteln und vor allem in anderen Festdimensionen wurde das Jubiläum begangen. Dies war auch die Geburtsstunde des Spielmannszuges. Feuerwehrmitglieder waren es, die der Meinung waren, ein Fest ohne Musik ist nur eine halbe Sache.

Erster offizieller Auftritt des neugegründeten Spielmannszuges beim Kinderfest im Jahr 1953
Erster offizieller Auftritt des neugegründeten Spielmannszuges beim Kinderfest im Jahr 1953

 

Am 22. Mai 1955 übernahm die Feuerwehr ihre erste Tragkraftmotorspitze (Bachert TS8). In den folgenden Jahren wurden die Gerätschaften ergänzt. Am 4. November 1964 stellte die Feuerwehr einen Opel Blitz mit Frontpumpe (LF8) in Dienst und am 30. Januar 1966 konnte die Gemeindeverwaltung vom zivilen Bevölkerungsschutz einen gebrauchten DB Unimog mit einem Wassertank von 800 Litern erstehen. Die Aufgabengebiete der Feuerwehr weiteten sich aus. Brandfälle waren eher die Seltenheit, vermehrt wurde die Wehr zu Verkehrsunfällen und Ölunfällen gerufen. Am 30. April 1966 konnte der Neubau des Feuerwehrmagazins (heutiger Bauhof) bezogen werden.

1968 gründete der Spielmannszug eine Jugendgruppe. Ein Jahr später beschloss auch die Feuerwehr die Gründung einer Jugendgruppe. Bis zur Verwirklichung dieses Projekts vergingen allerdings vier Jahre. So übernahm die Feuerwehr zusätzlich zu ihren angestammten Aufgaben auch noch die Ausbildung in der Jugendarbeit. 

Am 1. Januar 1973 trat in Baden-Württemberg die Verwaltungsreform in Kraft. Dadurch entstand der Verwaltungsverband Neckartenzlingen. Im Rahmen dieses Verwaltungsverbandes kam es zu einer konstruktiven Zusammenarbeit zwischen den Wehren, die bis heute andauert.

125 jähriges Jubiläum der Feuerwehr Neckartailfingen
125 jähriges Jubiläum der Feuerwehr Neckartailfingen

Einen entscheidenden Einschnitt in die Geschichte der Gemeinde stellte das Jahrhundert-Hochwasser in der Nacht vom 23. auf 24. Mai 1978 dar. Der Neckar trat über seine Ufer und überschwemmte große Teile der Gemeinde. Im Landkreis Esslingen wurde der Katastrophenalarm ausgelöst. Der Einsatz dauerte sechs Tage. Er forderte von der Wehr, deren Magazin selbst unter Wasser stand, den vollen Einsatz. Es war der erste von vielen Hochwassereinsätzen, die man in den folgenden 17 Jahren bewältigen musste. Hier erlebte man eine noch selten da gewesene Zusammenarbeit der Feuerwehr und der Bevölkerung. Die Schäden im ganzen Landkreis waren enorm. Die Feuerwehr befand sich bis zu 60 Stunden im Dauereinsatz. Die Tage und Nächte im Mai des Jahres 1978 führten dazu, dass in den folgenden Jahren drei Pumpwerke geplant und gebaut wurden, um gegen die Hochwasserfluten gewappnet zu sein. In den folgenden Jahren wuchs die Hochwassergefahr ständig. Beinahe jedes Jahr im Frühjahr waren bei Dauerregen und gleichzeitiger Schneeschmelze im Schwarzwald Einsätze vorprogrammiert. Durch entsprechende Dammbauten trotzte man der Macht des Neckars. Nächteweise wurden Mensch und Vieh aus den Ställen evakuiert, Wohnungen und Keller sowie Industriebetriebe ausgepumpt. An manchen Tagen waren bis zu 300 Einwohner und Einsatzkräfte im Einsatz. Wirkliche Abhilfe wurde erst durch den Bau der Hochwasserschutzmauer am Tunnel der B297 erreicht.

Am 27. September 1982 bekam die Feuerwehr einen VW-Bus als Mannschaftstransportwagen, im Jahr 1984 wurde das altersschwache LF 8 durch ein neues Fahrzeug, ein LF 8 auf Unimog Fahrgestell ersetzt. Durch die neue technische Ausrüstung konnte die Feuerwehr wesentlich effektiver im Bereich der technischen Hilfeleistung bei Katastrophen und Verkehrsunfällen reagieren. Am 7. Oktober 1989 konnte die Neuausrüstung des Fuhrparks mit der Beschaffung eines LF 16 abgeschlossen werden. Am 23. November begann mit dem Spatenstich der Neubau des Feuerwehrmagazins. Dem erhöhten Platzbedarf für Mannschaft und Fahrzeuge war das alte Gebäude nicht mehr gewachsen. Das Richtfest wurde am 24. Mai 1991 gefeiert, am 14. Februar 1992 wurde der Neubau bezogen.

 

Übergabe des 1984 angeschafften LF 8 auf Unimog Fahrgestell
Übergabe des 1984 angeschafften LF 8 auf Unimog Fahrgestell

 

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