Mittwoch, 14. November 2018
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Neckartailfingen

Neckartailfingen ist eine Gemeinde im Landkreis Esslingen in Baden-Württemberg. Die Gemeinde liegt am Neckar, etwa 25 Kilometer südlich von Stuttgart. Der alte Ortskern befindet sich links des Neckars.

Geschichte

Neckartailfingen wurde 1090 im Hirsauer Codex (Codex Hirsaugiensis) als Tagelvingen erstmals urkundlich erwähnt. Der Ort gehörte damals den Grafen von Urach und den mit ihnen verwandten Grafen von Achalm. Nach den Eintragungen schenkten die Grafen Liutold (auch als Liutolf genannt) und Cuno von Achalm mehrere Güter und ihren Anteil an der Kirche dem Kloster Hirsau. Zwar ist der genaue Zeitpunkt der Schenkung im Hirsauer Codex nicht vermerkt, nachdem Graf Cuno von Achalm aber 1092 starb, wurde die Schenkung auf um 1090 datiert. Im Auftrag des Klosters Hirsau wurde die romanische Martinskirche wohl im Jahr 1111 fertiggestellt (laut dendrochronologischer Untersuchung der Dachbalken). Zwischen 1254 und 1265 kauften die Grafen von Württemberg die Grafschaft Urach mitsamt der Burg Achalm. In diese Besitzmasse gehörte auch Neckartailfingen, das dadurch zu Württemberg kam, dem es bis zur Gründung des neuen Landes Baden-Württemberg 1952 zugehörig war. Der Ort wurde 1536 zusammen mit dem Amt Nürtingen evangelisch und erhielt 1541 die erste Dorfschule des Altkreises Nürtingen. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Neckartailfingen nach der Schlacht bei Nördlingen 1634 von den berüchtigten Dragonern des Obristen Walter Butler (vor allem aus Kroatien) geplündert und bis auf die Kirche, die Kelter, ein Haus sowie zwei kleine Hütten vollständig niedergebrannt. Das Dorf hatte faktisch aufgehört zu existieren. Erst nach einigen Jahren kehrten die geflohenen Einwohner zurück und bauten ihr Dorf langsam wieder auf.

Bereits mit dem Kauf durch die Württemberger übertrugen diese die Verwaltung des Dorfes an die Vogtei Nürtingen. Aus der Vogtei entstand 1758 das Oberamt Nürtingen. Von 1938 bis 1973 gehörte Neckartailfingen dann zum Landkreis Nürtingen, mit dem es im Landkreis Esslingen aufging.

Seit 1598 unterhielt die Postlinie StuttgartUrach im Ort eine Poststation. Im Jahr 1807 wurde nicht in der Oberamtstadt Nürtingen, sondern am Verkehrsknotenpunkt Neckartailfingen das erste Postamt im Altkreis Nürtingen eingerichtet.[

Ansicht von Neckartailfingen aus den Forstlagerbüchern von Andreas Kieser, Quelle: Landesarchiv Baden-Württemberg
Ansicht von Neckartailfingen aus den Forstlagerbüchern von Andreas Kieser, Quelle: Landesarchiv Baden-Württemberg

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde überwiegend rechts des Neckars gebaut, es entstand die sogenannte „Vorstadt“. Verkehr Neckartailfingen war schon immer ein wichtiger Durchgangspunkt für viele Fahrzeuge. Zur Zeit der Postkutschen war Neckartailfingen eine wichtige Station für den Pferdewechsel. Bis 1976 unterhielt die Deutsche Bundesbahn einen Bahnhof an der als Neckar-Alb-Bahn bezeichneten Bahnstrecke Plochingen–Tübingen, der rund zwei Kilometer vom Ort entfernt lag. Dieser wurde schließlich wegen Unrentabilität geschlossen und das Bahnhofsgebäude abgerissen. Die Bahnsteige sind heute überwuchert und verwildert. 1995 wurde die Umgehungsstraße der B 297 fertiggestellt und damit auch der Hochwasserschutz für den Ort fertiggestellt. Diese Straße verläuft zwischen dem Ortskern und dem Neckar in einem Tunnel. Im Westen führt die B 312 in Richtung Stuttgart bzw. Reutlingen an Neckartailfingen vorbei.

Bildung Neckartailfingen verfügt mit der Liebenauschule über eine Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule. Darüber hinaus gibt es drei Kindergärten im Ort. Eine Musikschule versorgt derzeit rund 713 Schülerinnen und Schüler aus dem Ort und dem Umland mit einem umfangreichen Unterrichtsangebot

Kultur und Sehenswürdigkeiten

9 Naturdenkmale bereichern den Ort. Darunter die 1883 gepflanzte Lutherlinde, der Nordteil des Aileswasensees, der Neckaraltarm mit Auenwald westlich der Brücke der B 312 und verschiedene Feldhecken, Feuchtwiesen und Feldgehölze.

Aileswasensee

Der Aileswasensee entstand durch ein Kieswerk, heute ist der See mit einer Gaststätte und mehreren „Stränden“ ein beliebtes überregionales Ausflugsziel. An der tiefsten Stelle ist er 4 Meter tief. Martinskirche

Martinskirche

Die Martinskirche ist wegen ihres romanischen Baustils und ihres Alters überregional bekannt. Vor allem ist ihr schiefer Turm bekannt. Sie wurde vermutlich 1111 fertiggestellt. Infolge der Reformation wurde sie 1536 evangelisch und gehört heute zum Kirchenbezirk Nürtingen.

Neckarbrücke

1847 wurde die durch Hochwasser und Treibeis gefährdete Holzbrücke über den Neckar durch eine massive 6-bögige Sandsteinbrücke ersetzt. Als im April 1945 die Neckarbrücken zwischen Nürtingen und Tübingen planmäßig von der deutschen Wehrmacht gesprengt wurden, um das Vorrücken der französischen Truppen aufzuhalten, blieb die Neckartailfinger Brücke als einzige verschont – laut Zeitzeugen durch beherztes Eingreifen aus dem Ort und glückliche Umstände.

 

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